Sprühkondom kommt (noch?) nicht

spray-on condom
Die Meldung über die Entwicklung eines Sprühkondoms aus dem süddeutschen Singen hat Ende 2006 grosses Echo ausgelöst und ist von Medien in allen Teilen der Welt aufgenommen worden. Das Sprühkondom, das im Sommer 2008 auf den Markt kommen sollte, wird leider nicht zu kaufen sein.

Condomunity konnte mit dem Erfinder und Betriebswirt Jan Vinzenz Krause über die Gründe und Hintergründe reden - und ob die Zukunft trotzdem etwas für all diejenigen bereit hält, die auf technische Verbesserungen in der Kondombranche hoffen:

Man kann es so zusammenfassen, dass das Sprühkondom unter den aktuellen technischen Möglichkeiten leider einfach nicht zu realisieren ist. Es bleibt eine Wunschvorstellung, dass ein solches Produkt einmal funktionieren könnte.

Condomunity: Herr Krause, wie sind Sie in die Kondombranche gekommen?

Jan Krause: Der Ausgangspunkt war ein eigenes Problem. Als 16-jähriger wollte ich mir ein paar Kondome kaufen und wusste nicht genau, welche ich nehmen sollte. Weil mir auch die Verkäuferin nicht weiterhelfen konnte, habe ich angefangen, mich mit der Thematik zu beschäftigen. Ein paar Jahre später habe ich dann über ein Praktikum bei Mapa in Zewen einen Einblick in die Kondombranche bekommen und sehen können, wie diese funktioniert. Da bin ich auf die Idee gekommen, einen Online-Berater zu entwickeln.

Dies hat sich durch meine Studienzeit hindurchgezogen und ich habe dann allmählich die Idee entwickelt, dass Männer Kondome viel lieber verwenden würden, wenn sie die passenden finden könnten. Mit dieser Vision bin ich also in den Kondommarkt gekommen und die hat eigentlich auch bis heute Gültigkeit.

Das Sprühkondom: Die Idee

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Wer die Diskussion über das Sprühkondom verpasst hat, kann sich in unserem früheren (englischen Beitrag) über das Konzept informieren:

Condomunity: Wie ist die Idee entstanden, ein Sprühkondom zu entwickeln?

Jan Krause: Die ist eigentlich direkt aus dieser Vision, ein perfektes Kondom für Männer zu erschaffen, entstanden. Perfekt heisst: Das Kondom kneift nicht, sondern sitzt bequem, man merkt kaum, dass es da ist und es ist trotzdem sehr sicher.

Ich halte auch Vorträge und unterhalte mich dabei mit Jugendlichen und Sexualberatern. Dabei hat mich einmal jemand gefragt, weshalb es nicht ein Kondom gibt, das sich dem Mann anpasst - nicht umgekehrt. Aus all diesen Überlegungen ist dann die Idee für das Sprühkondom entstanden.

Condomunity: Welche waren die Herausforderungen/Probleme bei dieser Technik?

Jan Krause: Das Hauptproblem war die Vulkanisationszeit des flüssigen Latex, welche relativ lang ist. Es ist schwierig, die Erektion so lange konstant aufrecht zu erhalten. Eine Herausforderung war auch die Frage nach dem Reservoir: braucht man es, braucht man es nicht? Ich denke man braucht es nicht unbedingt. Zu diesen technischen Problemen kommt ein rechtliches: Das Sprühkondom ist kein Kondom im klassischen Sinne und würde deshalb auch nicht unter die bisherige Norm fallen.

Man kann es so zusammenfassen, dass das Sprühkondom unter den aktuellen technischen Möglichkeiten leider einfach nicht zu realisieren ist. Es bleibt eine Wunschvorstellung, dass ein solches Produkt einmal funktionieren könnte.

Condomunity: Hat sich das Konzept über die Zeit verändert?

Jan Krause: Das Konzept hatte verschiedene Phasen. Angefangen hat das einfach mit besagter Idee: Wie kann man ein perfekt sitzendes Kondom entwickeln? Ich habe zunächst mit einer Technik ähnlich der des Sprühpflasters herumexperimentiert, was nicht funktioniert hat. Darauf folgte dann die Idee mit der Sprühkammer, die sehr positiv und zahlreich von der Presse aufgenommen worden ist. In dieser zweiten Phase haben wir dann festgestellt, dass das so leider nicht möglich ist.

Deshalb gibt es jetzt eine dritte Phase, in der wir mit dem Unterdruckverfahren experimentieren. Momentan verfolge ich das aber nicht so stark.

Condomunity: Können Sie uns ein bisschen über dieses Unterdruckverfahren erzählen?

Jan Krause: Leider kann ich im Moment nichts Weiteres dazu sagen.

Condomunity: Wie lange hat es von der ersten Idee bis zur Herstellung des Prototypen gedauert?

Jan Krause: Zwei Wochen nach dem besagten Vortrag, bei dem die Idee entstanden ist, habe ich mir eine erste solche Hansaplast Flasche gekauft und mit einem Modell geübt und experimentiert. Ich habe die exakten Zeträume nicht mehr genau im Kopf. Es ist eben eine Entwicklung und ich habe mir das nicht täglich notiert.

Das Sprühkondom: Die Entwicklung

Condomunity: 3 Dinge, die Sie gerne schon vor der Entwicklung gewusst hätten?

Jan Krause: Sicherlich eine spannende Erfahrung war der Zeitraum nach der Publikation meines Konzeptes für ein Sprühkondom. Da habe ich viele Mails und Rückmeldungen bekommen von Leuten so weit entfernt wie aus den USA und Asien, die dieses Problem kennen, dass Kondome zu klein oder zu gross sind. Sonst kommen mir aber keine weitere Punkte in den Sinn.

Condomunity: 3 Tipps für Forscher/Unternehmer

Jan Krause: Wenn man eine Idee hat und von ihr überzeugt ist, dann muss man dranbleiben. Man erfährt immer wieder viel Widerstand von Personen, die sich vielleicht nicht mit der Thematik auseinandergesetzt haben oder sie auch nicht immer verstehen. Ich glaube, bis einem Durchbrüche gelingen, braucht es einfach eine gewisse Zeit.

Also meine drei Tipps oder besser Voraussetzungen sind Geduld, Besessenheit von dem, was man tut, und Ausdauer.

Wissen Sie, Tipps kann man viele bekommen, es gibt zahlreiche schlaue Bücher, Unternehmensberater, etc. Aber bis man sie verinnerlicht hat, dauert es seine Zeit. Es ist ein Reifeprozess.

Condomunity: Haben sich aus dem Sprühkondom weitere Projekte ergeben und bleiben Sie der Kondombranche erhalten?

Jan Krause: Ja, aus dieser Sprühkondomthematik haben sich einige Projekte ergeben. Durch diese Geschichte ist natürlich auch mein Bekanntheitsgrad gestiegen, was mir vieles erleichtert. Im Bereich Sexualberater ist ‚mobile Sexualaufklärung’ ein Schlagwort: Wie kann man Jugendliche per Mobiltelefon aufklären? Dazu habe ich noch ein neues Beratungskonzept entwickelt, welches Männern hilft, ein passendes, momentan auf dem Markt erhältliches Kondom zu finden. Es basiert auf den Erkenntnissen, die wir beim Experimentieren mit dem Sprühkondom gewinnen konnten.

Ich arbeite also als Kondomberater und führe mit Vinico einen Online-Store. Somit bleibe ich der Branche erhalten. Das Thema ist meine Leidenschaft - ich finde das Gebiet sehr spannend.

Condomunity: 3 Gründe, weshalb man Kondome am Besten online kauft?

Jan Krause: Ein Grund ist sicher die Anonymität. Man muss nicht das berühmte „Tina, was kosten die Kondome?“ an der Supermarktkasse durchmachen, sondern sucht sich in aller Ruhe anonym den passenden Artikel aus.

Man hat im Internet außerdem eine viel größere Auswahl. Wenn es hoch kommt, bekommt man in Drogerien vielleicht 20 Marken und in vielen Geschäften ist diese Anzahl noch viel kleiner. Bei uns im Onlinestore hingegen hat man die Wahl zwischen mehr als 120 verschiedenen Kondomen und dementsprechend auch die Möglichkeit einer großen Abwechslung.

Der dritte Grund ist die Bequemlichkeit: Man braucht nicht extra in den Laden zu gehen, sondern bestellt einfach von zu Hause aus.

Die Zukunft der Kondome

Condomunity: Was glauben Sie, in welche Richtung sich der Kondommarkt entwickeln wird?

Jan Krause: Die Entwicklung kann man unter verschiedenen Gesichtspunkten sehen. Die Entwicklung der Absatzzahlen in Europa sehe ich rückläufig und ich denke, dass es kein Wachstumsmarkt ist. Das sieht man auch an den Strategien, die viele Kondomhersteller fahren: Sie diversifizieren mit Gleitgel und Vibratoren. Beispiele sind Durex, Mapa und Condomi.

Ein Aspekt, den ich bei den Kondomfirmen nicht verstehe, ist das Versäumnis, für das Produkt gemeinsam Werbung zu machen, um es den Leuten wieder schmackhafter zu machen. Ich glaube, dass die Kondomindustrie gemeinsam die Vorteile des Produktes ins öffentliche Bewusstsein rücken könnte, gerade gegenüber der Pille oder allgemein anderen Verhütungsmitteln. Das könnte noch einmal eine Chance für Wachstum in der Kondomindustrie sein.

Von der technischen Seite sehe ich in der nächsten Zukunft keine extreme Verbesserung im Produktnutzen. Es gibt zwar vereinzelt Innovatoren wie Durex, die das Durex Avanti Ultima mit einem neuen Material auf den Markt gebracht haben, aber allgemein ist die Kondombranche nicht so innovativ wie beispielsweise die Computerbranche. Die Kondomindustrie macht, seitdem Fromms das erste Kondom hergestellt hat, mehr oder weniger das Gleiche. Es wird ein Glaskolben in Latex oder eine andere besondere Mischung getaucht, aber revolutionär verändert, wie es ein Sprühkondom gemacht hätte, hat sich in der Branche noch nichts. Innovationen in dem Sinne erwarte ich im Moment auch nicht.

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